Ab 40-jährigem Klassentreffen vom 28.03.2015 ...

Foto in Privatbesitz bei SKB, fotografiert sehr wahrscheinlich von Gertrud Böhme (1965)
Foto in Privatbesitz bei SKB, fotografiert sehr wahrscheinlich von Gertrud Böhme (1965)

    Bald ist Schicht im Schacht!


   Der Zahn der Zeit, der an allem nagt,

   nicht nach uns und Persönlichem fragt.

   Die Jahre kommen und sie vergehen,

   Erlebtes wird erst in der Erinnerung schön.


   Veränderungen tun nicht immer nur gut,

   manches im Leben braucht unseren Mut

   und Vieles von allem ist schwer zu ertragen.

   Trotzdem gilt es, immer alles zu wagen.


   Schule, Beruf, Familie und Freizeit,

   so lehrt die Gesellschaft uns die Freiheit,

   zu tun und lassen, was wir nur wollen,

   solange wir machen, was wir auch sollen.


   Schon zeitig begreifen wir uns als erwachsen

   und starten Karrieren auf eigenen Achsen,

   die entweder am Karren anderer hängen

   oder in persönliche Selbständigkeit drängen.


   Ab Mitte Zwanzig ist dann schwer zu verstehen:

   Wie sollen wir mit vielfältigen Aufgaben umgehen?

   Die Jugend im Blut und im Geist Überschwang,

   hangeln wir uns an kantigen Felsen entlang:


   Politik, Wirtschaft und die Währungskrisen

   beginnen, uns das Leben gründlich zu vermiesen.

   Jeder Alltag wird grau und wir altern schnell,

   lassen uns übers Ohr hauen, gerben andern das Fell.


   Nach den ersten zehn Jahren Gesellschaft live,

   sind auch schon erste Erinnerungen reif:

   an die Kindheit, Schule und berufliche Lehre,

   an junge Liebe und gesellschaftliche Ehre.


   Der Hausbau steht an und Richtfest ist bald.

   Andere werden in ihren Mietwohnungen alt.

   Kommen Kinder, reicht das Geld fast nicht mehr.

   In jeder Zukunft fällt das Verdienen sehr schwer.


   Die Zeit, sie lacht sich durch all unsre Tage

   und stellt uns an jedem neu vor die Frage:

   Was wollt ihr tun und was lieber lassen?

   Könnt ihr eure Ziele in konkrete Worte fassen?


   Noch weitere zehn Jahre fällt uns das schwer.

   Wir planen und arbeiten, reisen noch mehr

   und sehen uns auf dem Hochpunkt, im Glück.

   Doch blicken wir nur selten zufrieden zurück.


   Aus der Schule sind wir schon zwanzig Jahre,

   wechseln Frisuren und Farben der Haare,

   aber auch Berufe und Familiengestaltung,

   Freunde, Wohnorte und Interessenentfaltung.


   Treffen wir uns wieder mit alten Kameraden,

   gleichfalls gereifter und mit Sorgen beladen,

   lässt sich in solchem Kreise erahnen,

   dass Erinnerungen uns nicht nur ermahnen,


   sondern außerdem Teil unseres Lebens sind

   im Kreislauf des Blutes, beginnend vom Kind

   hin zum alternden, vernünftigen Wesen.

   Aus unseren Gesichtern lässt das sich lesen.


   Noch später sind vierzig Jahre überschritten,

   in denen wir nicht mehr kindlich uns stritten,

   stehen wir zusammen und wissen zu schätzen:

   Das Leben hält uns noch aktiv an den Plätzen,


   auf denen wir stehen, sitzen und weilen.

   Es ist noch Zeit und keiner muss eilen.

   Doch wiederum später wissen wir nicht,

   ob im Schacht für uns ist immer noch Licht.


   Liegt die Schulzeit dann fünfzig Jahre zurück,

   ist Teilnahme am Klassentreffen wirkliches Glück.

   Darum sollte das nächste in fünf Jahren schon sein.

   Bitte, liebe Ute, lade uns wieder ein :-)



   Für unsere Klasse 10a der ehemaligen zehnklassigen „Wilhelm-Pieck-  

   Oberschule“ Glesien/ Kreis Delitzsch in Sachsen von: ©skb2015